Blogs von Kristin Leske - photography

Fotostories, Bilder und Videos von Kristin

Von Stränden, Basalt und Selfies

Unser heutiges Etappenziel ist die Halbinsel Dyrhólaey, die 115 Meter über den Atlantik ragt. Nach einem zeitigen Start ging es im Dunkeln auf der Ringstraße Richtung Westen. Auf den Sanderflächen erwischte uns wieder der stürmische Wind vom Vortag, der Eiskristalle in dichten Schwaden über die Straße trieb. Die deutlich kühleren Temperaturen und der starke Wind, hatten in nur 2 Tagen viele der kleinen Wasserfälle am Wegesrand zum Gefrieren gebracht. Unterwegs machten wir halt an einem virtuos geschwungenen Wasserlauf mit kaskadenförmig geformten Stromschnellen, der im Morgenlicht wunderschöne Motive lieferte. Fotografisch eignete sich die Umgebung für das Spiel mit Perspektive und Größenverhältnissen. Steffen nahm diese Trainingseinheit professionell und begab sich für einige Nahaufnahmen etliche Minuten auf dem eisigen Boden in Bauchlage (Steffen ist übrigens wohlauf, kam allerdings heute statt eines T-Shirts mit einem langärmligen Pullover zum Abendessen).  

 

In Kirkjubæjarklaustur wanderten wir zu den aus Boden hervortretenden Basaltsäulen, die von oben betrachtet, den Eindruck eines gepflasterten Kirchenbodens erwecken. Auch hier konnte mit der Perspektive gespielt werden, um  Größenverhältnisse gekonnt im Unklaren zu lassen.  

 


 

Basaltsäulen in Kirkjubæjarklaustur


 

Am Canyon Fjaðrárgljúfur machten wir einen kurzen Zwischenstopp. Die Schlucht ist an einigen Stellen bis zu 100 m tief und hat eine Länge von etwa 2 Kilometern. Durch sie fließt der namensgebende Fluss Fjaðrá. Die starken Kontraste zwischen Licht und Schatten waren eine fotografische Herausforderung

 

Dann begann unser Nachmittagsprogramm „Three Black Beach Tour“. Die Stars des Ortes Vík í Mýrdal,  sind die versteinerten Trolle Reynisdrangar im Meer. Es wurde mit verschiedenen Perspektiven gespielt um die schwierige Gegenlichtsituation zu meistern.  

Weiter ging es an den langen Strand Reynisfjara, der häufig von heftigen Winden geschüttelt wird. Heute waren allerdings weniger die klimatischen Bedingungen fotografisch zu meistern, sondern die Touristenwolken. Dennoch, dieser Strand mit seinen schwarzen rundgeschliffenen Lavasteinen und den tosenden Wellen, zählt nicht umsonst zu den 10 schönsten nicht-tropischen Stränden der Welt. Am linken Ende ragen hohe Klippen auf, die aus tausenden Basaltsäulen bestehen. Bemerkenswert ist eine hohe Wand mit kerzengeraden gestuften Basaltstrukturen. Diese Säulen taufte Christian kurzerhand Selfie-Mauer, denn die meisten Ankömmlinge benutzten die natürlichen Formationen, um nicht die Natur sondern vor allem sich selbst verrückt in Szene zu setzen. Die unterhöhlte Wand bildet an zwei Stellen natürliche Höhlen, die bei Ebbe zugänglich sind.

 


Basaltstrukturen an einer der beiden Unterhölungen am Strand von Vik. Links im Bild: Teile der "Selfie-Mauer".


Die kühn geschwungenen Formen der filigranen Basaltstrukturen und mosaikartige Formationen wurden diesmal noch von bizarren Eiszapfen gekrönt. Hier war auch Gelegenheit, dass Makroobjektiv auszupacken und mit der Tiefenschärfe zu spielen. Auf der anderen Seite des langen Strandes lassen sich die markanten Formen des Kap Dyrhólaey erkennen.

Hier blieben wir so lange, bis uns die nahende Flut von den Höhlen vertrieb und wir uns auf den Weg hinauf zur hoch über den Atlantik aufragenden Halbinsel Dyrhólaey machten.

In der blauen Stunde gelangen nach einigem Korrigieren noch hervorragende Bilder des markanten Felsentors.


Leuchtturm auf dem Kap Dyrhólaey.


Den Abend beschlossen wir wie immer mit einem Abendessen und einer Nachbesprechung der am Tag gemachten Bilder.

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Into the glacier...

Heute hatten wir uns alle schon sehr zeitig zum Frühstück verabredet, um uns für den Tag im Eis zu stärken. Dick und warm eingepackt ging es für uns noch vor 9 Uhr mit dem Bus zur Gletscherlagune Jökullsarlón. Der vom isländischen Wetterdienst vorangekündigte starke Wind peitschte gegen den Bus. Die starken Schneeverwehungen auf der Straße machten die Anreise für uns im ersten Sonnlicht zum beeindruckenden Wetterschauspiel aber auch zum Nervenkitzel für einige Teilnehmer. Unser Highlight des heutigen Tages sollte eine mehrstündige Gletscherwanderung mit Icecav- Besichtigung werden, die allerdings vom Anbieter aus Sicherheitsgründen wegen des starken Sturmes  abgesagt werden musste. Die starken Fallwinde machten eine Besteigung unmöglich. Dank einer schnellen Planänderung bekamen wir bei einem anderen Touranbieter allerdings die Chance in eine der sicheren Eishöhlen am Füße des Vatnajökull zu gelangen. Unsere etwas vorsichtigen Teilnehmer Uschi und Christian hatten beim Anblick unseres in die Jahre gekommenen Gefährts - ein isländischer Eigenbau auf Basis eines Unimogs doch ein ziemlich mulmiges Gefühl. Als das hochlandtaugliche Ungetüm dann große Startschwierigkeiten hatte überhaupt den Parkplatz zu verlassen, waren alle schwer beunruhigt. Gunnar, unser Guide gestand uns dann auch noch, nachdem er gefühlt eine Millionen mal telefoniert hatte während der Fahrt, dass er das Auto zum ersten Mal fährt und er nur einem Kumpel aushilft, der eine Woche Urlaub machen wollte. Seine Erklärung zu dieser misslichen Lage war ganz einfach, er kenne das Auto nicht und das Auto kenne ihn nicht und es wäre eine langsam sich entwickelnde Beziehung. Als jedoch unser alter Superjeep die holprige Wellblechpiste erreichte, erholte er sich wie durch Zauberhand und bretterte schwer schaukelnd durch das unübersichtliche Terrain.


Abenteuerliche Anfahrt zum Gletscher


Überall nur Steine, Steine, Steine, große kleine, große kleine. Der Stimmung an Board taten diese Kleinigkeiten jedoch überhaupt keinen Abbruch. Wir scherzten mit Gunnar während er die unglaublichsten Steigungen vorbei an kraterähnlichen Löchern und riesigen Geröllmoränen bezwang. Bei einem ungelogen ca. 45 Grad Abwärtshang kam Achterbahngefühl auf wobei sich Uschi unverdrossen die Augen zuhielt. Christa hingegen aus dem Hintergrund brüllte: „Mach die Augen auf, dass musst Du gesehen haben, das ist der Wahnsinn!“ Christian hingegen wurde ganz ruhig und harrte der Dinge die da noch kommen mögen.


"Unser" Unimog mit glücklichen Workshop-Teilnehmern am Fuße des Gletschers.


An der IceCave angekommen, gab es für alle die obligatorischen Helme und Steigeisen zum Umschnallen. Dann ging es 100 Meter über das Eisschild zum Einstiegsloch der Höhle unter dem Gletscher. Unseren Teilnehmern blieb der Mund offen stehen und alle staunten über die blaue kalte Schönheit. 50 Shades of Blue glitzerten im Sonnenlicht und tausend Jahre alte Luftbläschen wurden für immer auf Fotos gebannt. Auf Grund der Verspätung hatten wir die IceCave fast für uns alleine und konnten uns lange 90 Minuten in Weitwinkelfotografie, Darstellung von Räumlichkeiten, Gegenlicht, Strukturen und Makrofotografie üben.


Impressionen aus der Eishöhle.


 

Einen glücklichen Zufall bescherten uns das Eiscave-Security-Team, in dem es große eisige Bruchstücke am Höhleneingang abhacken musste und wir so noch etwas länger in der Höhle bleiben durften. Der Weg zurück zum Unimog war spektakulär. Die Fallwinde sausten über den Gletscher hinab und trieben die Eiskristalle tief über dem Boden der Sonne entgegen. Was für ein schönes Naturschauspiel. Alle waren beeindruckt, zufrieden über die schönen Fotos und in voller Bewunderung über die Natur Island.  Gunnar und sein großes Ungetüm brachten uns sicher und wohlbehaltend zurück zur Gletscherlagune. Das unterwegs die Fahrer-, wie auch die Beifahrertüren fast abfielen, der linke Scheibenwischer alles verschmierte, während der rechte komplett fehlte, kommentierte Gunnar trocken mit dem Satz: „My friend has to fix some minor details!“ Für alle gab es zunächst wärmende heiße Schokolade mit Rum und eine kleine Stärkung bevor sich unsere Fotografen mit Begeisterung wieder dem eisigen Wind entgegenstemmten. Außergewöhnlich viel blaues Gletschereis füllte die Gletscherlagune und bald schon konnten wir vier Robben bewundern, die sich zwischen den zahlreichen Eisblöcken tummelten.

Dennoch entschlossen wir uns bald zum tiefschwarzen Strand zu begeben, auf dem große Gletscherbruchstücke den starken Wellen trotzten. Hier gab es hervorragende Bedingungen für spektakuläre Gegenlichtaufnahmen der großen Brecher, die vom stürmischen ablandigen Wind zusätzlich aufgebauscht wurden. Schnell wurde auch das Makroobjektiv ausgepackt, um die unzähligen Strukturen des Eises einzufangen. Der feine schwarze Lavasand bildete einen kraftvollen Kontrast mit den durch die Sonne wie von innen leuchtenden Gletscherbrocken. Auch Langzeitaufnahmen mit Graufiltern wurde geübt. Die Teilnehmer waren überrascht welche tollen Ergebnisse sie in kürzester Zeit erzielen konnten. Vertieft wie wir waren, bemerkten wir nicht, dass urplötzlich mehrere Reisebusse anlandeten und etwa einhundert Touristen an die Küste strömten, was unsere Fotolust ein wenig dämpfte. Aber so ist das nun mal an den landschaftlichen Highlights.


Neu eingetroffene Touristen am Strand der Gletscherlagune. Ab diesem Moment war leider kein ungestörtes Fotografieren mehr möglich.


Unseren Abend beschlossen wir wie immer mit einem guten Abendessen und der Besprechung unserer Bilderauslese.

Morgen begeben wir uns schon langsam wieder Richtung Reykjavik (aber zum Glück ist ja erst Halbzeit).

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Wasserfälle und Gletschereis

10.01.2017

Nach einem zeitigen Frühstück begaben wir uns auf unser erstes großes Abenteuer des Tages: ohne Sturz auf dem spiegelglatt überfrorenen Parkplatz vom Hotel zum Auto zu gelangen. Das Wetter präsentierte sich typisch isländisch, nämlich völlig unberechenbar. Während wir am Skogafoss noch in den klaren dunkelblauen Himmel blickten und sich rechts und links des Weges die Landschaft graubraun zeigte, fanden wir uns urplötzlich in einem tief verschneiten Abschnitt wieder.


Der plötzliche Wechsel von braun zu weiß animierte unsere Gruppe zu häufigen Fotostopps.


Der ohnehin schon sagenumwobene Mýrdalssandur wurde gleich darauf noch mystischer, als tiefer Nebel uns einhüllte und von den mit kleinen Lavatürmchen und Grasbüscheln geprägten Landschaft nur noch Schemen erahnen ließ. Stellenweise kroch das erste Sonnenlicht in einem blassen Rosa durch die dicken Nebelschwaden um gleich paar Minuten darauf von einem gleißend warmen gelben Schein abgelöst zu werden. Da sich das Wetter so beharrlich aller paar Minuten änderte, erfanden wir eine neue Art der Fotografie : Stop-and-Go-Shooting.  Wir nutzten jede noch so enge Haltebucht, um die ständig neuen Lichtsituationen und Motive zu fotografieren. Raus aus dem Auto – Knips – Rein ins Auto – 100 Meter Fahren – Raus aus dem … usw. Wir kamen unglaublich schnell voran.

Damit uns mit diesem innovativen Fortbewegungsstil nichts zustößt, errichteten wir, wie es die isländische Tradition verlangt, in Laufskálavarða gemeinsam einen kleinen Steinwart, der uns auf der weiteren Reise Schutz und Sicherheit garantieren soll.


Unser Steinhügel in Laufskálavarða, der uns gegen Unbill auf der Reise absichern sollte.


Der Nebel ging, der Schnee blieb und bescherte uns mit der aufgehenden Sonne einen atemberaubenden Blick auf das Lavafeld Eldhraun, das aus dem apokalyptischen Lakagigar Ausbruch im Jahre 1783 entstand.

Nach einem kurzen Snack- und Tankstopp in Kirkjubæjarklaustur fuhren wir zum Torfgehöft Núpsstaður mit der 6 x 2,5m kleinen Grassodenkirche aus dem 17. Jahrhundert. Leider liegen die alten Gebäude neuerdings auf einem privatem Gelände und sind nicht mehr frei zugänglich.

Als kleine Entschädigung für die entgangene Kirche wurden wir direkt vor der majestätischen Bergwand Lógmagnúpur mit überfrorenen Wasserläufen und malerisch drapierten Grasbüscheln belohnt.



Unsere Teilnehmer konnten ihr heutiges Glück kaum fassen. Dank Thermounterwäsche und wasserdichter Hosen konnten sich die Teilnehmer gewissermaßen „tieferlegen“, um die gestellte fotografische Aufgabe: „Vordergrundbetonung mit dem Weitwinkel“ zu lösen.

Im Skaftafell Nationalpark jagt ein landschaftliches Highlight das nächste. Heute passte einfach alles.

Am Svinafellsjökull bekamen unsere Fotografen erstmalig Gletschereis vor die Linse. Sowohl die blaue, tief zerklüftete Gletscherzunge wie auch der zugefrorene Gletschersee mit seinen bizarren Eisskulpturen hinterließen einen bleibenden Eindruck. Da uns noch das Abendlicht und die blaue Stunde blieben, sausten wir zur Gletscherlagune Jökullsarlon weiter. Christians Jubelschrei beim Anblick der großen, gemächlich im Wasser treibenden Eisblöcke hat uns allen aus dem Herzen gesprochen.


Jökullsarlon ist mein persönliches Island-Highlight. Morgen wird es übrigens nochmal dorthin gehen, denn wir haben noch viel vor. Den Abend beschlossen wir im neuen Designhotel der Fosshotelkette „Glacier Lagoon“, mit einem fantastischen Abendessen und anschließender Bildbesprechung in gemütlicher Runde.


Hotel Glacier Lagoon


09.01.2017

Etwas überraschend für unsere Teilnehmer ging es heute bereits im stockdunkeln los auf unsere erste größere Etappe auf der Ringstraße 1 Richtung Vik y Myrdal. Unterwegs erwischte uns Schneeregen aber an unserem ersten Stopp, den stimmungsvoll gelb-gold beleuchteten Gewächshäusern in Hveragerði waren fast alle Wolken weg. Die Gewächshäuser, in denen man sogar Bananen- und Feigenpflanzen entdecken konnte, prägen vor allem in der blauen Stunde vor Sonnenaufgang das Erscheinungsbild des Ortes. Christa hat hier viel Kreativität gezeigt und mit ungewöhnlicher Perspektive das Beste aus der schwierigen Lichtsituation gemacht.


Christa Fischer : Gewächshaus in Hveragerði


Nach den Gewächshäusern wurden wir im nahen Geothermalgebiet mit einem fantastischen Sonnenaufgang belohnt, der den rötlichen Boden vor den dampfenden heißen Quellen kraftvoll verstärkte.

Anschließend brachen wir auf, um uns entlang der Ringstraße Richtung Seljalandsfoss zu begeben, der in diesem Winter leider nicht (teilweise) eingefroren ist. Besonders mutige und gegen Wasser geschützte Kursteilnehmer wagten sich auf den Rundweg um den Wasserfall herum, um wenig später vollständig nass aber glücklich wieder zu uns zu stoßen. Als Belohnung für Ihre abenteuerliche Fotowanderung hinter den Wasserfall gab es von uns warmen Tee und Knabbereien serviert. Wir nahmen anschließend direkt Kurs Richtung Skogafoss. Bis dahin kamen wir allerdings nicht so schnell. Den ganzen Tag hatten wir schon nach Islandpferden Ausschau gehalten und entdeckten erst spät eine perfekt vom letzten Sonnenlicht beleuchtete Herde vor den steilen Hängen des Raufarfell. Da es keinerlei Zäune gab, konnten wir auf Tuchfühlung gehen und die Tiere mit den langen vom Wind zerzausten Mähnen aus nächster Nähe fotografieren.



Der 60 m hohe Skogafoss präsentierte sich abends bereits im Schatten der umliegenden Höhenzüge (leider auch mit einigen Photobombern in Form von anderen Touris mit neonfarbener Winterkleidung). Aber das machte nichts, denn wir hatten noch etwas ganz besonderes für die Nacht geplant. Also machten wir uns auf den beschwerlichen Weg von 50 Metern und bezogen erstmal unser Hotel mit Blick direkt auf den Wasserfall, nahmen eine behagliche Dusche und wärmten uns zusätzlich innerlich mit typisch isländischer Küche auf: Lammeintopf, Kabeljau, Burger von der Kuh und Lammkeule vom Bauern nebenan (gewissermaßen). Und dann ging es los. Wir packten unsere Fotorucksäcke, nahmen unsere Stative und machten uns erneut auf zum tief im Dunkeln verborgenen Wasserfall. Wir verraten an dieser Stelle nicht zu viel, aber hier seht ihr ein Ergebnis unserer Nachtwanderung.



Den anstrengenden aber ergebnisreichen Tag haben wir mit einem gemütlichen Umtrunk und netten Gesprächen verabschiedet.

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Stürmischer Einstieg

Heute präsentiert sich Island nicht von seiner Schokoladenseite, zumindest was das Wetter betrifft. Grau in grau und Regen. Trotzdem lassen sich die Einwohner von Reykjavik nicht beirren und präsentieren sich verrückt und lebensfroh wie immer. Heute im Angebot: The day of silly walks. Bekannt geworden durch Monty Python’s Flying Circus versuchen heute am weltweiten Tag des albernen Marsches auch die Isländer so abstrus wie möglich durch die Straßen zu marschieren.


Unser Silly Walk an der Perlan, dem großen Wasserspeicher in Reykjavik.


Island ist ein Land der Extreme. Viele, die zum ersten Mal hier sind unterschätzen die raue und unberechenbare Natur. Während einige Erlebnisse ärgerlich sind aber noch glimpflich ausgehen (Fehler beim Furten, Feststecken in loser Lava oder in Schneefeldern usw.) können andere Situationen schnell lebensbedrohlich werden. So erging es gestern wohl auch einem Touristenpaar, die mit einer Gruppe zu einer sehr beliebten Schneemobiltour zum Langjökull Gletscher aufgebrochen waren und in einem plötzlich einsetzenden Schneesturm den Anschluss an ihre Gruppe verloren hatten. Nach mehreren Stunden konnten die beiden durch 180 Helfer stark unterkühlt aber unverletzt gerettet werden.

So ein Erlebnis möchten wir natürlich keinem in unserer Gruppe bescheren und haben uns deshalb  außerordentlich sorgfältig auf die nächsten Tage vorbereitet und sind schon mal einige Strecken vorher abgefahren. Vor allem die Planung für nächsten Samstag, auf der Halbinsel Reykjanes, war heute Vormittag im Fokus. Schwuppdiwupp ging es zunächst mit unserem schönen Tourbus Richtung Kleifarvatn, einem malerischen See, eingerahmt von Felswänden.

Was zunächst wie ein Kinderspiel wirkte, holte uns ganz schnell wieder auf den Boden der isländischen Tatsachen zurück und zeigte uns, dass in Island die Natur die Gesetze macht. Kurz nachdem die asphaltierte Straße 42 in eine Gravel Road überging, standen wir auch schon mit unserem Bus an einem vereisten Hang und rutschten langsam aber unaufhaltsam rückwärts wieder runter. Der Bus blieb glücklicherweise nach ein paar Metern stehen, während heftiger Wind und Schneeregen unaufhörlich gegen die Scheiben drückten. Also hieß es Aussteigen, Ausrutschen und Wiederaufrappeln, zum Kofferraum schlittern und Schuhspikes anlegen.   

Erst nach etwa einer Stunde und der Hilfe eines sehr freundlichen (und mit einem viel wintertauglicheren Fahrzeug ausgestatteten) Isländers der uns half, einige Kilogramm Schlamm und Steine auf die Straße und unsere Räder zu befördern, konnten wir unser Fahrzeug und uns aus dieser misslichen Lage befreien. Dank an unseren unbekannten Helfer! Hier ein kleines Video kurz nach unserem Missgeschick.

Glücklicherweise hatten wir Schuhspikes eingepackt und über so viel Schotter direkt am Strassenrand hatten wir uns schon lange nicht mehr gefreut. Wir haben uns auch direkt gleich ein baugleiches Auto inklusive Spikes  organisiert, denn es liegen in den nächsten Tagen wahrscheinlich noch mehr vereiste Pisten vor uns.

Direkt nach dem Besuch bei der Autovermietung ging es weiter zum Flughafen Keflavik um die restlichen Teilnehmer abzuholen. Nach einem kurzen Kennenlernen gab es wieder ein sehr schmackhaftes Essen im Potturinn og Pannan  in netter Gesellschaft unserer nun vollzähligen Gruppe. Da es ja ein INTENSIV Fotoworkshop ist, haben wir den Fotoworkshop auch gleich mit einen nächtlichen Fototripp durch Reykjavik eröffnet. Da die Wolkendecke leider zu dicht über Reykjavik hing, waren die angeblich darüber tanzenden Nordlichter nicht zu sehen und die Teilnehmer bekamen als Entschädigung eine ordentliche Einführung in das Thema Fotografieren bei starken Sturmböen. Dazu ging es zum höchsten Punkt in Reykjavik, der Perlan, einem sehr präsenten, bunt beleuchteten Warmwasserspeicher aus Aluminiumtanks die mit einer beleuchteten Glaskuppel überdacht sind. Die erste Lektion war Fotografieren bei schwierigen Witterungsverhältnissen sowie Sicherung der Kamera und des Stativs bei Sturm. Anfangs etwas zaghaft bezwangen die Teilnehmer jedoch ganz schnell die Kälte und nutzten die Gegebenheiten vor Ort, um sich fotografisch warm zu schießen. Die Lichtsituation an der zweiten Station, der Skulptur Sólfar, was auf Deutsch Sonnenfahrt bedeutet, wurde schon viel kreativer und mutiger in den Fotos umgesetzt. Unser letzter Halt widmete sich dem Thema nächtliche Langzeitbeleuchtung.  Die rhythmisch fließenden bunten Farben der wunderschön beleuchteten Harpa-Fassade, dem neu errichteten imposanten Konzerthaus,  spiegelten sich in den davor liegenden Wasserbecken. Der starke Wind sorgte zudem für eine rippelige Wasseroberfläche, die jedoch durch eine lange Belichtungszeit, zu einem soften Farbenteppich umgewandelt wurde.



Trotz Eiseskälte wurde viel ausprobiert und experimentiert und die ersten Erfolgserlebnisse beim Umstellen von Automatik auf manuellen Modus verzeichnet. Das nächtliche Einstiegsseminar hatte auch noch einen weiteren wichtigen Aspekt. Morgen werden sich einige Teilnehmer sicherlich noch etwas wärmer anziehen.   

 

 

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Ankunft in Island

Hallo Islandfreunde,

mein erster Abend in Island beginnt deutlich wärmer als in Deutschland. Gestartet bei -10°C und angekommen bei 4 Grad plus. Von Schnee und Eis keine Spur. Im Augenblick sitze ich in meinem Hotelzimmer nachdem ich im kleinen aber durchaus angenehmen Restaurant „Potturinn og Pannan“ ein empfehlenswertes Abendessen zu mir genommen habe.  Die letzten Vorbereitungen für den Fotoworkshop sind zu machen, der morgen schon starten wird. Unser Tourbus steht bereit, ein paar Snacks für den kleinen Hunger zwischendurch sind organisiert und langsam trudeln die ersten Teilnehmer ein. Ich bin auf unsere kleine Gruppe mächtig gespannt.

Obwohl die Vorbereitungen seit etwa einem Jahr laufen gab es auch in den letzten Tagen viel zu planen.

Aufgrund des knappen Tageslichts stellt der Winter in Island eine ziemlich große Herausforderung an Fotografen und erfordert eine effiziente Tourplanung. Während im Juni rund um die Uhr fotografiert werden kann, muss man im Winter mit nur 6-7 Stunden Tageslicht auskommen und die blauen  Dämmerungsstunden effektiv mitnutzen.

Blaue Stunde am schwarzen Sandstrand bei Vík í Mýrdal mit Blick auf Dyrhólaey, einer vulkanischen Halbinsel auf Island

 

Eine wichtige Tagesaufgabe ist das tägliche Studium des Wetterberichts. Hier kann ich besonders die in isländischer und englischer Sprache angebotene Webseite www.vedur.is empfehlen. Meine Erfahrung ist, dass man sich auf die äußerst detaillierte Wettervorhersage bis auf die Stunde genau verlassen kann. Hier in Island muss man als Fotograf flexibel sein und sich diesen wechselnden Begebenheiten anpassen. Nicht selten kam es vor, dass ich meine Reisepläne spontan über den Haufen geworfen habe und zum Beispiel statt der Südküste lieber zum Snæfellsjökull an der Westküste gefahren bin.

Auf www.vedur.is erfährt man aber nicht nur etwas über das Wetter, sondern auch über Zahl, Ort und Stärke von Erdbeben in den letzten 48 Stunden, über vulkanische Aktivitäten oder die Lawinengefahr. Heute war es übrigens typisch isländisch. Eben fegte ein heftiger Schneesturm durch die Straßen von Reykjavik und nur 30 Minuten später sehe ich einen klaren Sternenhimmel. Übrigens genau zu der Zeit, die die isländischen Meteorologen vorhergesagt hatten. So – das war es für heute. Morgen berichte ich an dieser Stelle über unseren ersten Workshoptag.

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Island Fotoworkshop 2017

Hallo liebe Island- und Fotobegeisterte,

übermorgen schon werden alle Teilnehmer in Reykjavik ihr erstes Fototraining absolvieren. Das es nun zum ersten mal diesen außergewöhnlichen Fotokurs auf Island gibt, ist vor allem den fotobegeisterten Teilnehmern meiner Fotoseminare und Outdoor-Workshops in Deutschland zu verdanken.

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Auf nach Island...

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