Reiseblog Island im Winter

Ab ins Eisland

Heute ist Island-Tag pur! In der Morgendämmerung ging es zu unserem Treffpunkt mit unserem Gletscherguide Jon, denn auf dem Programm stehen Gletscherhöhlen im Vatnajökull. Wir hatten heute außerdem die Ehre Wiederholungstäter bei Kristin Leske - photography Tours zu begrüßen. Offensichtlich hatten Uschi und Christian letztes Jahr so ein Spaß mit uns, dass Sie sich zusammen mit Freunden mit großer Begeisterung für useren Eis-Tag angemeldet hatten. So bestiegen wir unser heutiges Gefährt, einen isländisch-deutschen Unimog mit hohem Erlebniswert.



Jon ist übrigens im zweiten Leben Goldschmied in Reykjavik, scheint aber für sein Leben gern auf Gletschern herumzufahren. Und schon ging es los mitten durch die Gletschermoräne. Seit Tagen hatte es nicht geschneit und der Regen letzte Woche hatte die Landschaft in steingraue Geröllhaufen verwandelt. Nach einer amüsanten Schaukelpartie begaben wir uns zur ersten Höhle, die in den letzten Jahren fast 100 Meter unter den Gletscher führte. Durch die kürzlich gestiegene Aktivität des Orafajökull, dem Vulkanmassiv unter dem Vatnajökull, wurde diese Höhle allerdings vom Schmelzwasser geflutet und war nicht mehr begehbar. Harald begab sich auf Entdeckertour und nutzte die sich bietende Gelegenheit um herauszufinden, was sich unter dem dünnen Eis befand.



Jetzt wissen wir, dass es sich um erstklassige Schlammbrühe handelte. Anschließend marschierten wir zu einer Schmelzmulde im Eis, die wir von außen kaum wahrgenommen hatten. Innen offenbarte sich ein begehbarer aquamarinfarbener Palast mit zahlreichen Eisfluchten. Zwischenzeitlich mussten wir nachschauen, ob unsere Fotografen noch da waren, so sehr vertieften sich unsere Spezialisten in die zahlreichen Motive und Strukturen. Die Teilnehmern hielten die Luft an um nicht das Makroobjektiv zu verwackeln und konzentrierten sich auf kleine tausend Jahre alte, eingeschlossene Luftbläschen im Eis und suchten nach tierähnlichen Skulpturen.


Jon legte aber noch ein weiteres Highlight nach. Nachdem wir von unserer kurzen Gletscherbesteigung zurück zum Auto kamen, zeigte er uns, was sein alter Unimog drauf hat. Wir waren uns zwischenzeitlich nicht ganz sicher, ob er wirklich einen Weg folgte oder einfach nur für die nächste Marsmission trainierte. Das Navi zeigte nur noch eine weiße Schneeplatte an. Wir fuhren teils auf dem Gletscher, teils auf der Steinmöräne davor. Er bezwung unglaubliche Steilhügel und wir wurden durchgeschüttelt wie verrückt und begrüßten jede einzelne Bodenwelle mit großem Hallo.



Wo fuhren wir nur hin ? Irgendwann hielten wir im Nirgendwo aber anscheinend auf einem offiziellen Parkplatz für Island-Allradgefährte, denn zwei weitere Tourfahrzeuge standen recht einsam vor einer grauen Geröllwüste. Jon winkte uns nach kurzem Sicherheitscheck ermunternd zu und wir stürzten ihm voller Erwartungen entgegen. "Stürzen" muss ich leider auch im wahrsten Sinne schreiben, denn einer von unseren Wiederholungstätern verhakte sich unglücklich zwischen den Steinen und brach sich beim Sturz das rechte Handgelenk. Was für eine Aufregung. Mitten auf dem Gletscher mehr als 40 Minuten von der Straße und weitere 70 km vom nächsten Krankenhaus entfernt. Wir versorgten unseren tapferen Pechvogel und fixierten seinen Arm mit einem Schal und einem Stativ. Fotografen wissen sich eben zu helfen. Trotz der Schmerzen, die er gehabt haben muss, entschied er, dass wir mit der Gruppe trotzdem weiter fotografieren sollen. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle nochmals herzlich bedanken und mitteilen, dass wir das sehr bewundern und ihm hoch anrechnen. Kleine Anmerkung : Ihm geht es gut. Der Bruch war glücklicherweise nicht kompliziert und er konnte am Abend wieder mit Links Bier trinken.

Jon führte uns über einen kleinen zugeforenen Schmelzwassersee und anschließend in eine wunderschöne Eishöhle. Dort hätte man sicherlich den ganzen Tag verbringen können und Beispielbilder könnt ihr hier bestaunen. Unsere Teilnehmer gaben alles. Steinhügel wurden erklommen und manche robbten zentimeterweise durch den Schutt, während kurz über ihnen die blaue Eisdecke schimmerte. Was für ein Erlebnis! Trotzdem mussten wir uns irgendwann "loseisen" und auch eingedenk unseres kranken Gastes zurückfahren. Jon schaffte es tatsächlich, wie auf rohen Eiern zu fahren und das Ungetüm fast schaukelfrei durch die Geröllwüste zu manövrieren.



Zurück an der Gletscherlagune ging es für unsere Wiederholer nach Höfn ins Krankenhaus und für uns an den schwarzen Strand, der von uns liebevoll Eiswürfelstrand genannt wurde. Hier waren vor allem Makrofotografie und Langzeitbelichtungen mit Vordergrundbetonung Thema, dass sehr gut umgesetzt wurde. Den Tag beschlossen wir wieder mit einem guten Abendessen und einer großen Bildbesprechung, obwohl wir schon ganz schön müde aus der Wäsche schauten. Wir alle waren froh das der Nordlicht-Check mit Null Aktivität über Island angezeigt wurde und wir beruhigt ins Bett gehen konnten. Mit der fotografischen Ausbeute und Qualität der Bilder war ich aber sehr zufrieden und ich bin stolz, dass meine Teilnehmer mit eiserstarrten Fingern und Engelsgeduld es schaffen, solche tollen Fotos zu machen. Bis morgen dann - wieder von der Südküste...

Am Strand
An der Südküste

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Dienstag, 18. Dezember 2018