Reiseblog Island im Winter

Let it snow!

Der Wetterbericht für heute verhieß Schnee, Regen und Schneeregen bis zum Abend. Na mal sehen, wie wir da vorankommen. Schon morgen vor der Abfahrt, zog es unsere Teilnehmer nochmal zum Skogafoss, denn die blaue Stunde konnte natürlich für Aufnahmen genutzt werden. Nach nur fünf Minuten waren allerdings die meisten wieder da, denn es hatte starker Schneefall eingesetzt. Etwas bedröppelt und in voller Islandmontur schauten sie dann Jörg und Carola beim Frühstücken zu, um nur 10 Minuten später doch wieder aufzubrechen, denn plötzlich war es wieder klar. Dieser Rhythmus zog sich durch den ganzen Tag. Heftige Scheeschauer abgelöst von kurzen klaren Pausen mit dramatischem Himmel bevor sich der nächste Schnee auf den Weg machte. Aber eigentlich war es Island pur. Die letzten Jahre lag relativ wenig Schnee oder gar keiner an der Südküste, doch heute hatten wir weiß satt. Dieses Überraschungswetter sollte uns den ganzen Tag begleiten.

Kurz vor Vik machte Frau Holle eine kurze Pause und wir entschieden uns spontan an den schwarzen Strand zu fahren. Natürlich fing es nach dem Aussteigen wieder an zu graupeln aber bei schlechtem Wetter wird dieser Ort zu etwas Einzigartigem. Die Eiskörner bildeten einen wunderschönen Kontrast zur schwarzen Lava hohe Wellen machen sich in der Dramaturgie auch nicht schlecht. Besonders ins Zeug beziehungsweise in den Sand legte sich Carola, die unbedingt die Froschperspektive ausprobieren wollten und sich beherzt auf den schwarzen Boden warf.



Natürlich mussten auch diesmal einige ausprobieren, ob das Wasser in Island auch so nass ist wie daheim, zum Beispiel ich. Wie immer, wenn man sich ins Motiv versenkt, verliert man leicht die Umgebung aus den Augen, die Umgebung aber einen selbst nicht. Folgerichtig überrollte eine Welle meine Beine und Island ist zugegebenermaßen nicht die Karibik. Trotzdem konnten wir schöne Aufnahmen machen und die Sachen werden schon wieder trocknen.



Nach Vík machten wir uns auf die Piste Richtung Kirkjubæjarklaustur für einen kurzen Tankstopp und Besuch des Visitor's Centre mit Informationen zum Laki-Ausbruch und einer Moosausstellung. Das viele Wasser in Vík hatten Objektive und Kameras von Rainer und mir fast außer Gefecht gesetzt, denn sie waren von innen beschlagen. Da half nur Wärme, denn im Auto waren unsere Möglichkeiten zum Trocknen beschränkt. Zum Glück löste sich das Problem nach einer Weile von allein und unsere Arbeitsgeräte waren wieder einsatzbereit. Im Übrigen passiert so etwas häufiger hier, aber die Kameras können auch viel Wasser ganz gut ab und man sollte nicht in Panik geraten, wenn die Notabschaltung aktiviert wurde oder das Objektiv von innen beschlägt. Nur in einer Tüte einpacken, wäre keine gute Idee. Einfach warm und trocken halten und Geduld haben.


Nach weiteren 40 Minuten Fahrt durch Schnee- und Graupelschauer erreichten wir in einer der oben genannten Frau-Holle-Pausen die Gletscherzunge Svínafellsjökull bei klarer Sicht. Der Gletschersee war zugefroren und wenig blaues Eis war sichtbar, denn die Oberfläche war größtenteils mit Schnee bedeckt. Nach ein paar Minute passierte was? Na klar, Schnee von oben! Wir genehmigten uns daher einen Imbiss bestehend aus Skyr, Tütensuppen und Kaffee und fuhren auf völlig vereisten Straßen zur Gletscherlagune Jökulsárlón.



Wie ich es schon häufig geschrieben habe, ist dies mein absoluter Lieblingsort in Island, dessen besonderer Reiz in seiner Veränderung liegt. So auch heute. Bis an den Rand voll mit zugeschneiten Eisschollen und kleinen Eisbergen präsentierte sich die Lagune wie immer anders, als ich sie je zuvor gesehen hatte. Wir nutzten das Abendlicht und auch den schneefreien Abend, um in aller Ruhe uns heranzutasten. Touristen waren nur noch wenige da, aber die Fülle an Eis, machte die Motivsuche anspruchsvoll. Erschöpft aber zufrieden bezogen wir unser Hotel und machten uns ans Abendessen. Obwohl uns der lange Tag schon recht müde gemacht hatte, wollten wir nicht auf unsere Bildbesprechung verzichten.



Eingerichtet an der Bar, die Laptops auf dem Schoß ging es los mit dem ersten Bild von Rainer und - ping. Eine Nachricht unserer Nordlicht-App. Tja - was machten wir dann wohl? Alle infomiert, rein in die Winterklamotten und ab in die kalte Nacht. Wir sausten mit dem Bus ein kleines Stück nach Osten, denn am Hotel war es zu hell. Mitten auf dem Weg suchten wir eine Haltemöglichkeit und beäugten kritisch den sternenklaren Himmel. Wo waren sie denn nun, die Nordlichter? Nachdem wir schon aufgeben wollten, machte Elena noch eine Langzeitbelichtung gen Osten - uuuund grün! Also auf zur Gletscherlagune! Wärend Carola und Jörg einfach nur den Sternenhimmel genossen und wahrscheinlich langsam kalte Füße bekamen, versuchten die anderen, das nur schemenhaft erkennbare Polarlicht einzufangen. Das war gar nicht so einfach, aber am Ende gelang es uns doch. Todmüde aber glücklich fuhren wir zum Hotel zurück und konnten nun endlich ins Bett. Morgen ist Gletschertag. Ich freu mich drauf!

Ein Tag am Gletscher
Der Tag der Wasser (und Schnee-)fälle

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Samstag, 04. April 2020