Reiseblog Island im Winter

Tag 1: Velkomin á Íslandi

Liebe Island- und Fotofreunde es geht wieder los. Der Intensiv-Fotoworkshop Island 2019 steht wieder an und wir sind auf dem Weg in den Norden.



Über den Wolken strahlend blauer Himmel den ganzen Flug über, bis ....wir zum Landeanflug auf Keflavík ansetzten. Gerade sah man noch kurz den strahlend weißen Gletscher Vatnajökull durch die weiße Wolkendecke und innerhalb weniger Sekunden versanken wir im dicken Nebel.


 


In den Flugkabine wurde die helle Beleutung ausgeschaltet und die neue Nordlicht LED-Beleuchtung waberte in den schönsten Farben, um uns alle trotz des Nebels schon mal positiv auf Island einzustimmen. Es ist schon bemerkenswert, wie isländische Piloten trotz der weißen Suppe ringsherum die Landebahn finden können. Gott sei Dank!! Mitten im Regen wurden die vielen farblich unterschiedlichen Gepäckstücke zu den wartenden Amerikafliegern gebracht und es stimmte mich schon traurig zu sehen, dass um das Gepäckband nur weniger als 20 Leute standen.  Viele Transitflieger auf dem Weg nach Amerika bekommen so vom wunderschönen Island nur die weiße Suppe am Himmel und die dick eingepackten leuchtenden Servicekräfte auf dem Rollfeld mit. Kaum waren wir aus dem Flieger raus, hatten wir schon unser Gepäck, 8 Taschen mit Equipment muss man erst mal tragen können:-) Draußen stand auch schon, wie vereinbart, unser Pro-Car Mann und so ging es quasi vom Flieger direkt ins Auto innerhalb von 10 Minuten. Offensichtlich haben wir einen ruhigen Ankunftstag gewählt. Normalerweise verlassen inzwischen 2 Millionen Touristen im Jahr diesen Flughafen. Nach so vielen Jahren Islanderfahrung machen wir es ganz automatisch schon wie die Isländer und quatschen zum Einstieg erst mal über das Wetter. Wir haben uns gut informiert und teilen ihm mit, dass es ja mit 8 Grad ganz schön warm sei und wir uns schon auf die Kälte und den Schnee in den nächsten Tagen freuen. Er meint dazu nur: It´s the island, you know... the weather changes every second! Gut, Punkt eins abgehackt. Gehen wir zur höheren Konversation über.. woher kommen wir- Deutschland! Ahhh! I´m from Poland! Ahhh. Denken wir uns. Das haben wir hier schon oft gehört. Die Polen lieben Island und da sie gerne und gut arbeiten, sind sie auch sehr willkommen hier auf Island.



Kaum sind wir im Pro-Car Office werden wir freundlich begrüßt und man gibt uns, weil wir schon so viele Jahre hier buchen, gleich mal ein Upgrade aufs Auto. Super, denken wir uns. Doch beim Einladen fällt uns auf, dass der Kofferraum im Superduperauto viel kleiner ist. Also haben wir das Angebot dankend abgelehnt und um eins mit großen Kofferraum gebeten. Tja, da schauten die zwei weiteren Polen (da waren sie wieder) doch recht verdutzt. Das kommt sicherlich nicht sooft vor, dass ein solches Angebot abgeschlagen wird. Nach kurzem Überlegen, sauste einer der beiden los und  organierte auf einem anderen Parkplatz am Flughafen das größere Auto,putzte, tankte und bestückte das Auto noch mit den wichtigsten Extras. Wir sollten einfach nur Kaffee trinken, Handys laden und kurz abwarten. Nach ein paar Minuten wurde uns das perfekt erwärmte Auto übergeben und nochmals versichert, dass wir die Superduperversicherungsausstattung haben. Ja, das braucht man auch wie wir ja vom letzten Jahr wissen. Wer den Travelblog vom letzten Jahr gelesen hat wird wissen, das wir meinen. Bemerkung am Rande..wir haben natürlich auch die restlichen Kabelbinder vom letzten Jahr wieder eingepackt:-) Vielen lieben Dank also an Procar für diese schnelle Lösung. Ihr seid spitze und wir halten uns weiterhin an unser Motto: "Never change a winning team" und bleiben euch treu! Im Regen ging es dann zum Einkaufen um uns mit Proviant für unsere Reisegruppe auszustatten. Das macht jedes Jahr richtig Spaß, denn inzwischen fühlen wir uns schon wie halbe Isländer und greifen zielstrebig in die richtigen Regale um uns mit Skyr, Snúður, Wiener pylsur, Sennep und Lakkrís auszustatten.  Dieses Jahr fanden wir eine Tüte,  deren Inhalt zerschreddertem Konfetti gleichkam. Deshalb ein Aufruf an unsere Leser....wer kann uns als Schnellster sagen, was das ist ( siehe Foto)



Im wohlbekannten 22 Hill Hotel nächtigen wir traditionsbewusst in der ersten Nacht und haben auch gleich im Potturinn og Pannan das erste Gull der Fotoworkshopreise genossen. Morgen geht es noch ohne die Teilnehmer, nur zu zweit für einen kurzen Tagestrip nach Snaefellsness.

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Island 2019 - Es geht bald los!

Hallo Islandfreunde und Neugierige,

schon übermorgen startet mittlerweise zum 4. mal die Fotoreise Winterliches Island und ich kann es kaum erwarten!. Zur Einstimmung für alle Teilnehmer hab ich schon mal ein kleines Teaservideo erstellt, so dass ihr euch schon mental auf den Workshop einstellen könnt. Ich freue mich auf euch!


Teaser zum Island-Fotoworkshop im Januar 2019

 

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Ein unglaublicher Tag

Liebe Leser, nach der Anstrengung der letzten Tage, ist uns heute Unglaubliches passiert. Zunächst aber kündigte der isländische Wetterbericht Wolken und starken Wind an, weshalb wir uns entschieden, zuerst einen Stopp im Lava Centre in Hvolsvöllur an der Südküste Islands einzulegen. Das Museum, wenn man es so nennen darf, ist eine einzigartige Erfahrung und auf jeden Fall einen Besuch wert.



Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, denn das würde sicherlich einen Teil des Überraschungseffekts nehmen. Nur so viel- das Museum vermittelt auf höchst moderne und unterhaltsame wie beeindruckende Weise Wissen über Vulkanismus in Island und dessen vulkanischen Ursprung. Erlebnis für die Sinne pur!




Da das Wetter sich hielt und sogar ab und zu die Wintersonne herauslugte fuhren wir anschließend über die komplett zugeeiste Straße Nr. 32 zum Doppelwasserfall Hjálparfoss des Flusses Fossá í Þjórsárdal. Dabei stellten wir unseren Fahrer Jörg des Öfteren vor Herausforderungen, da es einige interessante Fotomotive entlang der Straße gab und unser Ruf „Hier halten!“ nur theoretisch sofort umsetzbar war. Praktisch schlitterte unser Allrad-Jeep mit Spikes noch dutzende Meter munter vor sich hin bevor er zum Stillstand kam.



Auf der Straße waren wir praktisch allein und die Zufahrt aufgrund der Straßenverhältnisse nicht einfach. Daher machten wir munter Scherze, dass sich wahrscheinlich hinter den Hügeln der menschenleeren Gegend ein Kiosk, Toilettenhäuschen und mehrere Reisebusse verbargen und trauten unseren Augen nicht, als zumindest letzteres stimmte. Ganz ehrlich, vor 3 Jahren hätte es sowas nur im Sommer gegeben. Die Zeiten haben sich bereits geändert! Dann ging es zurück ins Hotel und ab in die Hot Tubs und zum Abendessen.

Mitten beim Blogschreiben, klopfte es plötzlich an die Zimmertür und Christian teilte uns mit, dass draußen deutlich Nordlichter am Himmer zu sehen sind und der Aurora Forecast auf über 4 Kp steht. Juhhhhhhuuuuu! Auch wenn ich schon total müde war, stieg ich umgehend in die vielfachen Schichten meines warmen Zwiebellooks, schnappte Kamera, Rucksack und Stativ und sauste auf die Wiese vor dem Hotel. Deutlich waren, wenn auch noch schwach, 3 hellere Bänder, zu erkennen, die sich über den ganzen Himmel spannten. Bei Nordlichtern gibt es unterschiedliche Typen. Abhängig davon, wie und wo der Sonnenwind auf die Atmosphäre trifft. Sind nur statische schwach helle Bänder zu sehen, sollte länger belichtet und darauf geachtet werden, dass die Iso Empfindlichkeit nicht allzu hoch eingestellt wird (Kameraabhängig).



Hat man jedoch das Glück bewegte Nordlichter zu sehen, wird es fotografisch anspruchsvoll, denn die tanzenden Lichter wechseln permanent die Richtung und Helligkeit, in dem sie sich verdichten und auseinanderziehen und dabei sogar richtig oft flackern können. Man muss abschätzen, wohin sich die Nordlichter während der Aufnahme bewegen werden, und wie die Kamera eingestellt werden muss, dass man die Helligkeitsunterschiede abfangen kann.



Oftmals ist es ein Glücksspiel und man ist so stark auf die Einstellungen im Dunkeln konzentriert, dass man das eigentliche phantastische Naturschauspiel an sich gar nicht richtig genießen kann. Ein Weitwinkel eignet sich übrigens, um große Teile des Himmels einzufangen. Am Schluss lagen wir einfach nur noch auf dem Boden, denn die 3 Bänder hatten sich als Bogen über den ganzen Himmel gespannt und fingen als grüne Schleicher mit leicht rötlich flackernden Rändern über uns an zu tanzen. Atemberaubend! Morgen ist unser letzter Tag in Island und die faszinierende Insel hat sich heute definitiv gebührend von uns verabschiedet. Mal sehen, was uns der letzte Tag noch bringt.

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Von der Nordküste zur Südküste

Nachdem wir unser gebuchtes Hotel leider durch den heftigen Schneesturm nicht erreichen konnten, mussten wir umdisponieren und schafften es, die letzten zwei Zimmer im Hotel Blanda in Blönduós zu ergattern. Es gab zwar kein Abendessen mehr, aber unsere Reste an Kaffee, Obst, Skyr und Knabbereien. Das Hotel ist zwar etwas in die Jahre gekommen, hat aber durchaus Charme. Der Hauschef hatte so viel Mitleid mit uns, dass er Jörg und mir zu später Stunde noch ein Gull spendierte. Was für ein Glück!

Heute Morgen blieben wir alle etwas länger im Bett und verdauten erst mal die Erlebnisse der letzten Nacht. Zum Frühstück waren wir alle wieder in unserer Komfortzone angekommen und entschieden nach gründlichem Check der Wetterlage und der Straßenbedingungen, dass es zu gefährlich und zu leichtsinnig sei bei dem Sturm weiter Richtung Mývatn zu fahren. Dort sollte es den ganzen Tag schneien. Mehrere Warnungen wurden für die umliegenden Gebiete vom isländischen Wetterdienst rausgegeben. Für uns hieß das, eine weite Strecke bis zurück in den Süden zu fahren. Was für ein Pech. Ich muss gestehen, dass ich schon sehr traurig bin, aber eben auch nicht lebensmüde. Island wäre nicht Island, wenn hier immer alles so klappen sollte wie geplant. Es liegt auf der Hand...ich muss also wieder kommen!



So ging es nun wieder Richtung Süden entlang der Ringstraße, vorbei an der Sturmstelle. Tagsüber bei gemäßigtem Wetter sah das alles so harmlos aus. Der Straßengraben in den wir reingerutscht sind war noch nicht mal ein richtiger Graben und es hätte sogar in der Nähe eine Tankstelle mit Restaurant gegeben. Nur hatten wir dieses Haus vor lauter Schneetreiben, bestialischem Wind und unzähligen warnblinkenden Autolichtern noch nicht mal gesehen. So einen heftigen Schneesturm mit so einer schlechten Sicht habe ich in meinem Leben noch nicht erlebt. Die Sturmwolken zogen schon hinter uns her, das gab zwar interessante und dramatische Fotos, aber wir gaben Gas und versuchten Land zu gewinnen. Unterwegs begrüßten uns zwei alte Bekannte, nämlich Schnee und Wind, die uns überraschten als wir die Hochebene Holtavörðuheiði durchquerten. Wir krochen wieder im Schneckentempo voran und waren froh, dass wir die karge Landschaft ohne Siedlungen irgendwann hinter uns ließen.



Auf dem Weg zum Hotel machten wir einen Umweg zu den Hraunfossar, die in den Fluss Hvítá fließen und als Markenzeichen deutlich türkisfarbenes Wasser führen. Allerdings sind diese malerischen Wasserfälle, die direkt aus Lavafeldern austreten sehr langgezogen und schwer zu fotografieren. Nach dieser schönen Abwechslung setzten wir unsere lange Fahrt fort und gelangten im Dunkeln endlich in unser Fosshotel Hekla. Dort gönnten wir uns nach einem leckeren Abendessen eine Entspannungsrunde in den beiden Hotpots. Morgen soll das Wetter nicht so berauschend sein und wir werden die Gegend rund um das Hotel sondieren. Also - tschüss bis morgen, eure Kristin.

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Wir sitzen fest...

Liebe Blogleser und Blogleserinnen. Ich dachte eigentlich, gestern wäre der Pleiten- und Pannentag gewesen. Aber heute hat alles getoppt, was ich bisher in Island erlebt habe. Zumindest hatte ich heute den schlimmsten Sturm hier auf der Insel und auch meine erste Rettung durch ein Rescue-Team. Aber nun schön der Reihe nach. Eigentlich fing alles super an. Nach dem obligatorischen Check der Straßen (blau = slippery, orange=spots of ice - also alles normal…) und dem Blick auf das Wetter (bewölkt, im Süden starker Wind – also im Norden alles gut) fuhren wir frohgemut aus unserem Hotel in Stykkishólmur Richtung Snæfellsjökull also an das Westende der Halbinsel Snæfellsnes.

Wir benutzten meist Straßen mit zweistelligen Nummern, die meist als sogenannte Gravelroads ausgebaut und leider stellenweise spiegelglatt waren. Mit unserem Jeep und seinen dicken Reifen mit Spikes machten die Straßen uns allerdings kaum Probleme.



Ab und zu legten wir einen kurzen Fotostopp am Straßenrand ein und begeisterten uns an den schneebedeckten Berghängen und Lavafeldern, die im gedeckten Morgenlicht ein stimmungsvolles Motiv abgaben.



Im Fischerort Arnarstapi machten wir richtig Halt und begaben uns wegen der mit dickem Eis bedeckten Fußwege vorsichtig an die Küste. Dort konnte man wunderschöne Langzeitbelichtungen der an die schwarzen Basaltsäulen brandenden Wellen machen. Etwas weiter an der Küste entlang, gibt es zudem die natürlichen Felsentore aus Basalt, die heute recht dramatisch von Wellen umspült wurden. Zum Aufwärmen ging es dann in das nette Prímus Café, wo wir dem Motto des Hauses folgten und uns einen ausgesprochen leckeren Kuchen gönnten.



Ich denke man kann sagen, dass danach das Drama begann. Wir mussten noch den langen Weg nach Blönduós zurücklegen, wo wir unser Hotel gebucht hatten. Die Straßen waren nicht besonders gut, vor allem wegen des Eisbelags, so dass wir recht vorsichtig und seeehr langsam fahren mussten. Außerdem bemerkten wir ca. 100 km vor unserem Ziel, dass der Wind sehr stark wurde und Schneeschwaden so dicht über die Straße trieb, dass diese kaum zu erkennen war. Etwas erleichtert erreichten wir schließlich die Ringstraße N1, von der wir uns Besserung erwarteten. Aber weit gefehlt. Der Sturm wurde so stark, dass wir bald nur noch im Schneckentempo vorankamen und unser Fahrer Jörg Mühe hatte, die Straßenbegrenzung zu sehen.

Etwa 30km vor unserem Hotel war plötzlich Schluss. Wir konnten kaum 20m weit sehen. Vor uns standen Autos mit Warnblinkanlage nebeneinander aber wir konnten im Gestöber nicht sehen, was vor sich ging. Jörg wagte sich nach einiger Zeit mit Spikes nach draußen. Die Straße war spiegelglatt und um unser Auto hatten sich auf der windabgewandten Seite bereits Schneewehen gebildet. Wir bekamen heraus, dass sich ein Wohnwagen festgefahren hatte und angeblich Hilfe unterwegs war. Wir saßen also fest. Nach 1-2 Stunden, so genau weiß ich das nicht mehr, fuhren ein paar riesige Schneefräsen an uns vorbei, die aber das Problem anscheinend auch nicht so schnell lösen konnten. Jörg musste immer wieder aussteigen um unser Auto vom Eispanzer zu befreien, der sich in Minuten um unser Auto bildete. Spiegel, Scheiben, Türgriffe – alles zugefroren. Nach Stunden schien sich eine Lücke aufzutun – zumindest bewegte sich unser Vordermann weiter. Obwohl überhaupt keine Sicht war bewegten wir uns an der Autoschlange auf der anderen Seite und den festgefahrenen Fahrzeugen vorbei und plötzlich – waren wir raus dem Chaos. Zumindest dachten wir das.



Hinter uns hatten sich ein paar weitere Autos eingereiht und los ging es mit der Geschwindigkeit einer Wanderdüne. Das einzige was im Schneesturm zu sehen war, war der nächstgelegene Schneepflock. Immer wieder mussten wir anhalten, weil sich am Scheibenwischer dicke Eisbrocken bildeten. Nach einem Stopp – wir waren immer noch das erste Fahrzeug, gab es einen kurzen Aufschrei, das linke Vorderrad gab nach uns wir machten einen Abflug nach unten. Uns allen fuhr der Schreck in die Glieder. Jörg hatte zwar einen Schneepflock identifiziert, aber leider den von der falschen Straßenseite. Wir saßen am Hang mit unserem Auto fest. Unsere Verfolger fuhren langsam an uns vorbei und nach fünf Autos kam nix mehr. Wir waren allein und saßen im tiefsten Schnee aber glücklicherweise unverletzt und mit heilem Auto. Was nun ? Wir saßen nun schon fast 4 Stunden im Sturm fest. Eine Besserung war nicht in Sicht.



Doch die Rettung nahte in Form eines freundlichen Isländers, der für uns die Polizei (112) anrief. Tatsächlich hielt nur 15 Minuten später im Nirgendwo das Polizeiauto und die freundlichen Herren schickten uns nur wenig später ein Rescue-Team mit einem Super-Jeep. Unsere Bergung dauerte trotzdem etwa eine Dreiviertelstunde. Wir bemerkten auch, dass keine weiteren Autos kamen. Die Straße musste wohl inzwischen gesperrt sein. Unsere Retter waren super. Sie befreiten uns immer wieder vom Schneepanzer, reinigten Scheibenwischer und Spiegel und gaben uns Anweisung, wie wir Ihnen zu folgen hatten, wenn Sie uns da rausgeholt hatten. Ruckzuck waren wir draußen und weiter ging es die restlichen 24 km nach Blönduos. Natürlich im Schneckentempo. Vorher klopfte einer unserer Retter noch an unsere Scheibe und meinte . 'hey, wenn wir noch mal von der Straße rutscht sehen wir euch auf jeden Fall wieder - wir sind nämlich auch aus Blönduos'. Coole Typen. Übrigens: die Rescue-Teams bestehen aus Freiwilligen. Toll! 



Im Ort angekommen winkten Sie uns freundlich zu und stellten sich vor die inzwischen gesperrte Ringstraße. Da wo unser Hotel lag. Wir waren so fertig, dass wir uns im Ort ein anderes suchten und jetzt sind wir hier. Geschafft, müde aber alle wohlauf. Morgen werden wir eine kleine Krisensitzung machen müssen, denn unser Ziel – Myvatn – werden wir wahrscheinlich nicht mehr machen können. Ich muss jetzt dringend ins Bett. Morgen sehen wir weiter. Bis dann - eure Kristin.

PS: Hier der Bericht von icelandreview.com. 60 Insassen, die im Schnee festsaßen und 4 davon waren wir...

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Abschied mit Pannen - Das war unser Winterworkshop 2018 in Island

Hallo liebe Leser, etwas wehmütig ging es heute um 8.00 Uhr für mich zum Frühstück. Der letzte Workshoptag ist doch immer auch etwas traurig, denn der Abschied aus Island naht und auch die Gruppenteilnehmer treten wieder in alle Richtungen ihre Heimreise an. Nach einer Woche Intensiv-Foto-Workshop, Gruppenaktivitäten und Islandabenteuer ist es nicht leicht. Jeder unserer Teilnehmer machte beim gemeinsamen Frühstück klar, dass er gern noch bleiben möchte. Wären noch keine Rückflüge gebucht und würde die Arbeit zu Hause nicht warten, hätten Jörg und ich sicher viele Verlängerungsanfragen für den Norden bekommen. Aber erstmal wurden natürlich beim Frühstück die Erlebnisse der Nacht besprochen.

Unser Hotel in Reykjavík sorgte für einige Unterhaltung. Gebucht hatten wir 6 gleiche Zimmer. Claudia und Andreas mussten sich im engen Bad mühsam seitlich in die Dusche quetschen. Das war bei Harald und Raphael anscheinend kein Problem – obwohl sie trotzdem unzufrieden und vor allem ungeduscht erschienen. Wie sie uns offenbarten, standen sie mit Shampoo und Duschbad wie Gott sie schuf bereit zum morgendlichen Bade, waren aber mit der komplexen Bedienung der Duscharmaturen anscheinend überfordert. Eine Konsultation des Hotelfoyers war vonnöten. Henning hatte anscheinend aus Versehen den Ballsaal des Hotels zum Schlafen bekommen. Um 9 Uhr waren alle pünktlich zur Abfahrt bereit. Die Schlüssel waren diesmal alle abgegeben und bei Warten auf die Rechnung gingen beim Rezeptionisten 3 Anrufe aus Zimmern ein. Auch wenn ich die Frage nicht gehört habe, konnte ich erahnen worum es ging- die Antwort war immer die gleiche: „Unten beim Abfluss der Dusche sei ein Hebel.....“

Zuerst ging es zum Hafen, von dem man eine tolle Sicht über Reykjavik von der Wasserseite hatte. Alle Teilnehmer schwirrten sofort aus und suchten sich ihre Motive in der morgendlichen blauen Stunde. Claudia perfektionierte weiter ihre neue Methode – den Wischer und weihte Sabine und Andreas in die Geheimnisse dieser Fototechnik ein, Raphael fand zeitgenössische Bemalungen auf einem Molenstein, Harald widmete sich seinem Lieblingsthema der Langzeitfotografie und setzte eine kleine Laterne auf dem Hügel in Szene und Henning war schon wieder an eine kleine geheime Fotolocation verschwunden.



Anschließend fuhren wir über den Hafen zurück zur Harpa, um dort die letzte strukturierte Fotolektion vor Ende des Workshops an der geometrisch spannenden Architektur des Konzerthauses durchzuführen, bevor Jörg die meisten zum Flughafen brachte.

Die Abreise wurde jedoch spannender als geplant, als wir feststellten, dass sich der linke Flügel der Heckklappe unseres Busses nicht mehr schließen ließ. Nach zahlreichen mehr oder weniger gefühlvollen Versuchen die Türen zum Schließen zu bewegen und einigen akrobatischen Manövern, in denen mehrere Akteure auftraten (Kofferraum, Henning und die Jörgs im selbigen, Koffer und Taschen etc.) kam uns eine gewagte Idee. Nämlich der Verschluss der Tür durch geeignete Bindematerialien und anschließender Transfer zum Flughafen. Aufgrund der Gefährlichkeit dieser Idee sowie aus Mangel geeigneter Materialien verwarfen wir diesen Gedanken jedoch wieder. Schließlich hätte sich die Hintertür während der Fahrt öffnen und sämtliches Fotoequipment über die Ringstraße purzeln können. Wir entschieden uns daher als letzte Lösung vor Organisation eines Taxis unsere Mietfirma anzurufen, die auch wenig später bei uns erschien. Und die hatten dann den rettenden Gedanken. Nämlich die Tür durch geeignete Bindematerialien zu fixieren und zum Flughafen zu fahren. Ok – genial.



Fairerweise muss man aber sagen, dass unser isländischer Helfer ca. 100 Kabelbinder mitbrachte und diese auch fast vollständig in Form einer Kabelbinder-Girlande zum Festmachen der Tür einsetzte. Dann stattete er mich noch mit einem Cuttermesser aus, damit ich die Koffer am Flughafen wieder aus dem Auto bekommen kann. Das nenne ich Organisation. Die restlichen Kabelbinder durfte ich auch behalten. Ich liebe Kabelbinder und sie wandern nun in meine ständige Island-Ausstattungskiste. Danke!

Die Teilnehmer, die sich nicht dem Auto widmeten, nutzen die Gelegenheit die letzten Tipps von mir zu bekommen. Es wurde mit extremen Ansichten und Spiegelungen experimentiert und Harald stellte wieder mal fest, dass immer das erste und das letzte Foto das Beste sei. Er könne sich also das nächste Mal den mittleren Teil einfach sparen. Dann kam der tränenreiche Abschied. Alle herzten um umarmten sich. Es ist schon verrückt, wie nah ein eine gemeinsame Leidenschaft, ausgesprochen viel Humor und ein charakterstarkes Land verbinden kann. Eine wundervolle intensive Fotoworkshopwoche ging langsam ihrem Ende entgegen. Jörg fuhr die Teilnehmer zum Flughafen und ich beendete mit den verbliebenen Teilnehmern den Fotoworkshop mit einem Fotospaziergang durch Reykjavik. Der Stadtsee Tjörnin mit seinen Singschwänen, Enten und Seevögeln, sowie das moderne Rathaus, die beheizte Hauptstraße mit den vielen Geschäften und das bekannte Wahrzeichen, die Halgrimskirkja waren unsere Fotomotive. Über Reykjavik braute sich ein Unwetter zusammen und die Verabschiedung von Harald und Raphael war im wahrsten Sinne des Wortes stürmisch.

Die vielen lobenden und herzlichen Worte aller Teilnehmer rührten mich und Jörg sehr und zeigen uns, dass es unseren Fotografen mit uns in Island offensichtlich sehr gefallen haben muss. Die Fragen nach einem Folgeworkshop rannten bei mir offene Türen ein. Wir bedanken uns für Euer Vertrauen, die schönen gemeinsamen Stunden und hoffen wir konnten einen fotografischen Stein ins Rollen bringen. Danke an alle!

Morgen werden wir aufbrechen und die Lage im Norden Islands sondieren. Mal sehen – vielleicht gibt es bald einen Winterworkshop in Nordisland…

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Auf der Spur der Vulkane

Hallo liebe Blogleser und treue Wegbegleiter. Sorry für die kleine Verspätung. Der heutige Tag war sehr lang und irgendwie hat es mit dem Internet nicht geklappt, obwohl die Wifi-Versorgung hier in Island exzellent und kostenlos ist. Jetzt ist leider schon der letzte volle Tag angebrochen bevor es morgen für die meisten wieder an die Rückreise geht. Heute geben wir nochmal alles und haben uns eine besondere Überraschung einfallen lassen. Aber erstmal der Reihe nach.

Auf Wunsch unserer Fotografen sind wir heute später gestartet, damit wir den Geysir nochmal im Tageslicht ablichten konnten. Zuvor hatten unsere Frühaufsteher allerdings ihr Frühstück mit der hiesigen Spezialität komplettiert – Lebertran im Schnapsglas. Niemand wollte der Gruppe vom letzten Jahr nachstehen und so griffen alle beherzt zur öligen Nahrungsergänzung der Isländer. Lecker.

Danach ging es nur über die Straße rüber zum Geysir. Zuerst nutzten die Teilnehmer die blaue Stunde und mit zunehmendem Licht wurde es immer leichter die richtige Einstellung zu finden und den Geysir abzulichten. Bei dieser Übung lernt man schnell das Zusammenspiel von Iso, Blende und Zeit. Wird eine dieser Komponenten geändert, muss der Rest angeglichen werden. Die Freude war also riesengroß als die Helligkeit endlich wieder da war und alle schafften es eine schnelle, scharfe Bilderfolge von Blase bis maximaler Ausbruchhöhe zu erreichen. Danach ging es nach Hveragerði zum Bäcker und alle Teilnehmer kosteten die Spezialität „ Lavabrot“. Die schwarze chiabattaähnliche Köstlichkeit steht sinnbildlich für unser heutiges Thema – Lava und Vulkane. Während der nächsten kurzen Fahrzeit rätselten die Teilnehmer wo es wohl hingehe, denn wir hatten ihnen Indoor-Fotografie angekündigt.Vor einer unscheinbaren Hütte mitten auf einem Lavahügel machten wir schließlich halt und baten um die fotografische Vollausstattung. Also hieß es Rücksäcke schultern, Stative in die Hand und ab ging es. Nur wohin?

In der Hütte mussten wir erstmal Schutzausrüstung anlegen. Helm mit Lampe, Spikes an die Schuhe, kurze Sicherheitseinweisung und dann begann unser Abstieg in den Lavatunnel.



Unser Führer David war ein Traum. Wie sich schnell herausstellte, war unser isländischer Guide selbst Fotograf und hatte vollstes Verständnis für die schneckenhafte Geschwindigkeit unserer Teilnehmer und das mangelnde Interesse an seinen sicherlich sehr interessanten Ausführungen über Pahoehoe-Lava, denn die Aufmerksamkeit wurde von den Attraktionen voll in Anspruch genommen. Sein Zitat: „Are you guys all photographers ? Then we’ll have a lot of fun down there…“ Und so war es auch. Anfänglich waren alle schon durch den Lavatunnel und seine Raumwirkung an sich beeindruckt. Die Wände wurden angestrahlt und leuchteten in den schönsten Rot-Braun und Orangetönen, Kleine Eiszapfen hingen in dekorativen Gebilden von der Decke herab. Durch kreisrunde Deckeneinbrüche war der erste Teil der Höhle leichter zu fotografieren als der dunklere hintere Teil. Aber gerade dort erwartete uns eine Traumlandschaft von aus dem Boden wachsenden Eisstalakmiten, die nur von Herbst bis Frühling zu bewundern sind. Mit Makro, Stativ und dem Wissen über Langzeitbelichtungen waren unsere Teilnehmer bestens gewappnet, um die Strukturen fotografieren zu können. David gab uns eine Extra-Stunde Zeit, denn er war wie gesagt selbst Fotograf und war begeistert, mit welcher Passion sich alle seiner Höhle widmeten. Das war genial.

Schweren Herzens nahmen wir dann aber doch nach 2 Stunden Abschied von dieser traumhaften Location und begaben uns entlang der Küstenstraße zum Vulkan Gunnuhver und anschließend an die Küste zu den natürlichen Lavabecken von Brimketill.



Den Abend beschlossen wir nach einem wohltuenden Bad in der Blauen Lagune bei einem schönen Abschlussessen im traditionsreichen Kaffi Duus. Henning und ich ließen es sich nicht nehmen und warfen sich tapfer noch ein Stück vom Gammelhai Hákarl ein, was uns Respekt der anderen und einen komischen Geschmack im Mund einbrachte.



Dann bezogen wir unser letztes gemeinsames Hotel, denn morgen ist bereits Abreise für die meisten. Die Bildbesprechung musste heute leider ausfallen. Aber dafür hatten wir einen schönen Abend zusammen. Morgen müssen wir Abschied nehmen. Aber bis dahin ist noch ein bisschen Zeit.

PS: Fotos des Tages kommen noch

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Unterwegs im Golden Circle

Unsere Teilnehmer sind heiß aufs Fotografieren. Mann, mann, mann. Als ich mich endlich aus den Kissen geschält hatte und zum Frühstück kam, waren Henning und Harald schon unterwegs und fotografierten was das Zeug hergab.



Nach einem fantastischen Frühstück wurden wie jeden Tag die vielen Koffer, Taschen, Stative, Jacken, Mützen und Fotorucksäcke in den Tourbus geladen. Inzwischen klappt das alles in wenigen Minuten und jeder hilft mit, dass alles reibungslos läuft. Offensichtlich hat es Andreas so gut im Icelandair Hotel gefallen, dass er gleich den Schlüssel für das nächste Mal behalten hat. Denn wir waren gerade aus Vik hinausgefahren, da kam schon der Warnruf von hinten: "Wir müssen zurück meinen Schlüssel abgeben. Den habe ich vergessen." Natürlich konnte es die Gruppe nicht lassen lustige und gemeine Kommentare ertönen zu lassen und auch ich habe an den Zeitplan erinnert und ihn gebeten gaaaanz schnell zu machen bei der Abgabe. So wie ich es ausgesprochen hatte viel mir aber auf, dass ich selbst meinen Schlüssel auch noch in der Tasche hatte. Das gab viel Gelächter, noch dümmere Kommentare und ich musste mich natürlich in aller Form bei Andreas entschuldigen. Wir haben dann die Schuld am kleinen Zeitverzug geteilt, konnten gut damit leben, denn den Lichtverhältnissen tat das natürlich gut und es wurde heller. Zweiter Anlauf also Richtung Pferde und Seljalandsfoss.



Eigentlich war dafür kein Halt vorgesehen, aber da unsere Sturmflieger diese Motive am Montag leider nicht zusammen mit uns fotografieren konnten, habe ich den Tour-und Zeitplan etwas umgestellt und ihnen damit die Möglichkeit gegeben an diesen Stellen doch noch mal fotografieren zu können. Kristin Leske - photography macht das möglich! Die Pferde waren nicht ganz so hungrig und ließen unsere Taschen und Reisverschlüsse in Ruhe. Sie posierten für uns vor den Bergen und bescherten uns schöne Motive. Am Seljalandsfoss bemerkten die Workshopteilnehmer gleich, dass es heute viel klarere Sicht war und die Wege und Treppen noch stärker zugefroren und unpassierbar waren.



Dadurch etwas in den Standpunkten beschränkt versuchten alle den Wasserfall und vor allem die Details außen herum im Bild festzuhalten. Gar nicht so einfach wenn man inmitten von eiskaltem Spritzwassernebel steht. Hier wurde den Teilnehmern auch klar warum auf der Packliste von mir ein Küchenhandtuch stand.



Mit bespritzten und eingefrorenen Stativen ging es weiter entlang an vielen Pferdehöfen zum Úlfljótsvatn. Eine kleine Kirche wurde zum Fotomotiv und die Teilnehmer schoben sie in verschiedenen Versionen über den Bildausschnitt, um die gestellte Aufgabe zu erfüllen.



Am Þingvallavatn hatten wir schönstes goldgelbes Licht und es gab erst mal ein kleines Picknick oberhalb des Sees. Nachdem wir heute dort 200 Kronen mit der Kreditkarte für eine kurze Toilettenpause hingeblättert haben, bin ich sehr nachdenklich geworden. Denn höchstwahrscheinlich habe ich deutschen Autobahnraststätten jahrelang Unrecht getan, sie in Gedanken wegen der Sanifair-Gebühr der Wegelagerei zu bezichtigen. Umgerechnet 1,70 Euro plus Auslandsgebühren für den Kreditkarteneinsatz? So gut kann kein Klo der Welt sein. Aber ich möchte mir gerne einbilden, dass mein Beitrag zur Erhaltung und Pflege der isländischen Kultur und Landschaft beiträgt. Danach sattelten alle ihre Fotorucksäcke und Stative und begaben sich in die Grabenbruchzone in Þingvellir,das natürlich auch historisch für die Isländer eine große Bedeutung hat.



Das sehr sanfte gelbe Winterlicht und die überfrorene Landschaft ergaben eine sehr schöne Winterstimmung. Am Fuß des Geländes holte uns der Bus wieder ab und nach einem kurzen Blick auf die verrückten aber zahlreichen Taucher in der Silfra-Spalte mussten wir uns sputen, um noch bei gutem Licht an den Gullfoss zu kommen. Auch dieses Jahr präsentierten sich die mächtigen Kaskaden fast komplett zugefroren. Unsere Teilnehmer experimentierten von verschiedenen Standpunkten mit Bildwirkung und Lichteinfall. Fast allen hatten es die dicken und bizarr verkrusteten Eisformationen angetan. Einfach beeindruckend. Im letzten Abendlicht hatten wir das letzte Highlight geplant und noch eine kleine Herausforderung eingebaut. Wir fuhren zum Geysir, um eine schöne Aufnahme der mächtigen Fontäne zu bekommen. Das ist leichter gesagt als getan, wenn sich die Ausbrüche nur alle 5-8 Minuten ereignen uns sich praktisch nicht ankündigen. Auch die schwindenden Lichtverhältnisse machten die Sache nicht einfacher. Der sportliche Ehrgeiz war aber geweckt und tatsächlich, am Ende hatte jeder die Aufnahmen im Kasten.



Reichlich müde fielen wir nach diesem ereignisreichen Tag nach Abendessen und Bildbesprechung ins Bett. Morgen ist übrigens Vulkan-Tag…Danke, dass ihr heute wieder dabei wart. Bis morgen, Eure Kristin.

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Am Strand

Heute hatten wir einen Reisetag mit vielen kleinen Fotostopps geplant, da wir eine längere Strecke bis Vík í Mýrdal an die Südküste fahren wollten. Für Raphael ging der Tag wie auch gestern etwas früher los. Nicht etwa, weil er noch Hausaufgaben erledigen musste, sondern weil er schlicht und einfach nicht daran gedacht hatte, das eine Stunde Zeitverschiebung einzurechnen ist. So hatte er wenigstens das Frühstücksbuffet für sich allein. Im Dunkeln ging es also los auf der Ringstraße Richtung Westen. Relativ schnell mussten unsere Teilnehmer im Bus wieder die Scheiben freikratzen, um etwas sehen zu können - und zwar von innen! Heute konnte man sich im wahrsten Sinne des Wortes seine vier Buchstaben abfrieren. Als kleine Aufgabe mussten heute unter anderem Gräser vor schwarzem Untergrund fotografiert werden.



Harald legte sich wieder richtig ins Zeug beziehungsweise auf den Boden. Das nenne ich mal Einsatz! Nach einem weiteren Stopp hielten wir an einem kleinen aber sehr hübschen Wasserlauf mit kleinen Stufen, an dem sich unsere Teilnehmer mit Linienführung, Langzeitbelichtung, Vordergrundbetonung, Makro und so weiter austoben konnten. Hier trat auch der sogenannte Magneteffekt wieder auf. Anscheinend wirkt ein Qualitätsfotohalt unserer Gruppe magnetisch auf Touristenautos, die sonst einfach vorbeigefahren wären.



Obwohl wir zu Beginn für uns allein waren, sah schon kurze Zeit später die Haltebucht aus wie ein Supermarktparkplatz am Freitagabend. Ein Phänomen, was wir schon häufiger während unserer Reise erlebt hatten. Vordergrundbetonung war auch Motto des „Kirchenpflasters“ in Kirkjubæjarklaustur bevor wir uns zur Schlucht Fjaðrárgljúfur begaben.



Letztes Jahr noch waren wir die einzigen Besucher des malerischen Canyons. Diesmal tummelten sich aber zahlreiche vor allem jüngere Touristen an diesem interessanten Ort, da die Generation-Selfie durch das Video zu Justin Biebers Song „I’ll show you“ darauf aufmerksam gemacht wurde. Harald fand die ganze Szenerie offenbar auch sehr umwerfend, denn er begab sich schon wieder zu Boden. Diesmal allerdings unfreiwillig, als er auf dem spiegelglatt überfrorenen Weg ausrutschte. Glücklicherweise kam er mit dem Schrecken davon, aber sein Objektiv hat leider gelitten. Trotzdem: besser Glas als Knochen.



Nach der Schlucht mussten wir uns allerdings sputen, den schwarzen Strand von Vik zu erreichen. Ich hatte die Teilnehmer schon im Bus über die Gegebenheiten der Location aufgeklärt und mögliche Motive und Objektivauswahl, sowie Schwierigkeiten angesprochen, damit die Teilnehmer direkt vor Ort gleich loslegen konnten. Es waren wieder 4 Großbusse und zahlreiche Jeeps vor Ort. Am Strand wimmelte es nur so von Touristen. Unsere Fotografen hatten die Aufgabe bekommen, freie Sicht möglichst gleich zu nutzten und schwirrten sofort aus. Jeder machte sich nach persönlicher Vorliebe entweder an Makrofotografie und Srukturen oder an die Teleaufnahmen der berühmten Reynisdrangar Felsen.



Ein Blick ging immmer auf die nahenden Riesenwellen, die gefährlich nah herankamen . Mit vollem Körpereinsatz legten sie ich auf den Boden, knieten im nassen Sand oder nutzen die heranrollenden und auch die abfließenden Wellen um Linien in das Landschaftbild zu bekommen und damit Tiefe und Perspektive zu erzeugen. Wie bei den Erdännchen wurde eine Wache positioniert um die Anderen vor dem Raubvogel ähm der Wellenintensität zu warnen. Fast alle kamen aber trockenen Fußes zurück zum Auto. Henning hatte einen besonderen Vorteil, seine Schuhe sind wasserdicht und somit brauchte er nicht vor den Wellen wegzurennen, sondern blieb einfach stehen. Da zeigt sich wieder- wähle deine Ausrüstung mit Bedacht!



Nachdem alle Motive im Kasten waren ging es für das letzte Licht noch mal nach Dyrhólaey mit Leuchtturm und dem natürlichen Felsentor im Meer. Da nahmen einige Teilnehmer waaghalsige Standpunkte ein, um fotografisch mehr Tiefe im Bild zu bekommen und Kanten von unterschiedlichen Motive zu trennen. An dieser Stelle möchte ich bemerken - die Schilder und Absperrungen stehen nicht ohne Grund an den gefährlichen Stellen und sollten natürlich auch beachtet werden. Kein Foto der Welt ist es Wert sein Leben dafür zu lassen! Eine weitere Fotoaufgabe beschäftigte sich mit den Negativraum und die Teilnehmer nutzten den Leuchttum um die gestellte Aufgabe umzusetzten. Dann ging es durchgefroren zum Icelandair Hotel nach Vik. Nach einem leckeren Essen, befassten wir uns wieder mit der Bildbesprechung, Analyse und auch Theorie. Morgen geht es auf dem Golden Circle zum Þingvallavatn über den Gullfoss zum Geysir, an dem wir direkt auch im Hotel nächtigen werden. Odin, der Wettergott ist uns wohlgesonnen und somit sollte es wieder ein ereignisreicher Tag werden.

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